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weald elektronik im waagenbau am Fr 30.05. djs:pantha du prince von dial records und julius steinhoff von smallville sowie rene dachner von weald
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Im Mai wird es die vorerst letzte Weald Veranstaltung im Waagenbau geben. Um die schönen Nächte dort angebracht ausklingen zu lassen, haben wir einen guten Freund zu diesem Anlass eingeladen und denken, dass wir einem erinnerungsträchtigen Abend entgegen sehen. Hendrik Weber, besser bekannt als Pantha du Prince, ist mit seiner Mischung aus Detroit, Acid, House, Minimal und Ambient genau der richtige um noch einmal abzubilden worum es bei Weald in den letzen Jahren ging. Von Fachpresse und Publikum gleichermaßen bestätigt war er einer der prägenden Musiker im weiten Feld anspruchsvoller elektronischer Musik in 2007. Wir freuen uns sehr!
Einen passenden Background inszenieren an diesem Abend Julius Steinhoff & René Dachner und Ende August sehen wir uns dann zur nächsten Weald an anderer Stelle wieder.
Partir, c'est mourir un peu.
Pantha du Prince (Dial Records)
Morgens angeln, abends philosophieren: Hendrik Weber hat den Marx’schen Alltagskommunismus upgedatet - nach dem Aufstehen macht er das Leben zum analogen Kunstwerk, vor dem Schlafengehen manipuliert er digitale Datenströme. Man könnte ihn kennen als "Panthel" und "Glühen 4" und als Satellit der Hamburger Indiehouse-Clique um das DIAL-Label. Hendrik Webers aktuellstes und nachhaltigstes Projekt heißt "Pantha du Prince": 2003 erschien mit "Diamond Daze" das brachial introvertierte Debütalbum. Webers zwischen Indierock, Neuer Musik und Techno verbrachte Lehr- und Wanderjahre kommen hier zu sich, verdichten sich zu einer sublimen Körperlichkeit. Toll, so was zu erleben, wenn sich eine persönliche Geschichte in Schichten ablagert, ohne sich zum großen Supersinn zu fügen. Zwar finden sich kanonische Bezüge (Detroit-Techno, Theo Parrish, Moodyman, Acid House, das gute alte Techno-"Brett"), doch wird das Basisvokabular von Techno und House immerfort durch fremde Wortfetzen angereichert und verschmutzt. Es darf dazwischen geredet werden: Die Bedeutung von Noisepop (My Bloody Valentine, Slowdive, A.R. Kane) für das mitunter psychedelisch eiernde Pantha du Prince- Klangbild sollte nicht unterschätzt werden, ebenso wenig der Einfluss von E-Musik, Minimalismus und Folk. Jede Referenz spricht eine andere Sprache, wie das eigene Leben wird auch die Bedeutung vervielfacht und damit verdunkelt. Das Layering von Sounds und Stimmungen erzeugt eigenartige Effekte, weil hinter jeder Schicht eine neue zum Vorschein kommt. Es gibt kein Zentrum, kein "So und nicht anders!". Hendrik Weber liebt es, Funktionalitäten und gewachsene Klang-Organismen aufzulösen. Dabei ist auch eine unversöhnliche Melancholie im Spiel. Und doch hat man nie das Gefühl, dass hier ein eitler Souverän feldherrenmäßig übers angezapfte Archiv waltet. Hendrik Weber entwischt dem längst auch in Techno und House angekommenen Zwang zu Inszenierung und Subjektgehabe. Lieber verweilt er auf der wackeligen Grenze zwischen Tun und Lassen, Kontrolle und Verschwendung, Ego und Exzess. Nur wo es auch Zweifel und Nichtwissen gibt, kann erschütternd Tolles passieren. Manchmal weiß die Musik mehr als ihr Produzent; man kann diese Hingabe an den Ocean of Sound auch 'digitale Romantik' nennen.
Bei Hendrik Webers Live-Auftritten als "Pantha du Prince" wird diese vage Haltung noch mal ganz anders erlebbar. Anstatt sich zum selbstgewissen Schamanen aufzuspielen, wirft Hendrik Weber dann seine Sounds mit einer aktiv-passiven Beiläufigkeit ins Publikum. "Es" geschehen lassen: Weil er Raum lässt für die Schwingungen des Nicht-Kontrollierbaren, schafft Hendrik Weber es in den besten
Momenten, auf konkreten Räumen (Clubs, Bars, öffentliche Wohnzimmer) jene "anderen Räume" zu errichten, von denen Michel Foucault meinte, dass sie "Gegenplatzierungen oder Widerlager" seien - "tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind." Webers eigenartige Performance in diesem "Ort außerhalb aller Orte" erinnert dabei an David Bowie, Andy Warhol und Beckett- Theater: Was sind
das bloß für seltsame Gesten Richtung Laptop-Screen? Will er die unsichtbaren Datenströme beschwichtigen und von irgendwelchen Entgleisungen abhalten? Oder liegt da nur eine kleine Erbse unter der Tastatur? Dazu dann seine nervöse Eleganz - verdammt sexy und glamourös wirkt das alles. Doch Obacht: Die Sehnsucht nach dem ultimativen Effekt, nach der "Die Bassdrum geht, das Heilige kommt"- Erlösung wird höchstens angetriggert, nie erfüllt. Zwar wandelt Hendrik Weber multifunktional zwischen Avantgarde und Abfahrt, Geräusch und Gerave, doch verweigert er sich
der Erwartung nach Instant-Verzückung. Nichts ist schließlich öder als die idiotensichere Verknappung der unendlichen Möglichkeiten von Musik … deshalb schnappt hier, was gut klappt, nicht ein, sondern wird alsbald ganz woanders hingeführt. Da klappt es dann halt anders. Es geht Hendrik Weber auch um ein unheroisches Aufbegehren gegen die Topographie des Spaßterrors. Dafür legt er Tausende andere Begehrensströme frei. Wer die noch nicht kennt, sollte sich vom Pantha verführen lassen. Nur das unprogrammierte Glück ist wirklich was wert; Marx nannte es "das Reich der Freiheit".
Aram Lintzel, Dezember 2004
00:00 8€
www.weald.de
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